Wie sich der Strompreis 2021 entwickeln wird

Die EEG-Umlage sinkt, die CO2-Abgabe kommt, Netzentgelte steigen. Was bedeutet das für die Strompreise im kommenden Jahr? Die Neuerungen 2021 und deren Folgen für die Privathaushalte im Überblick.

Von Werner Eckert, SWR

Die Bundesregierung entlastet Verbraucher bei der sogenannten EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom. Das verkündete Finanzminister Olaf Scholz stolz. Auch Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen müssten sich den Strom aus erneuerbaren Energien leisten können. Trotzdem: Schaut man sich die Ankündigungen der regionalen Stromversorger an, kann man froh sein, wenn die Preise im nächsten Jahr stabil bleiben.

Die EEG-Umlage geht an die Besitzer von Windrädern, Solar- und Biogasanlagen sowie an Wasserkraftwerke. Garantierte Preise für deren Strom sorgen dafür, dass diese Anlagen gebaut und finanziert werden können. Die Fördersätze sind im Lauf der Zeit zwar pro Kilowattstunde deutlich gesunken, aber das summiert sich. 2020 ist das Jahr, in dem die Erneuerbaren erstmals rund die Hälfte des Stroms im deutschen Netz produziert haben.

Bund deckelte EEG-Umlage

Deshalb flossen hohe Geldsummen und die Kassen des EEG-Kontos sind stark im Minus. Die EEG-Umlage hätte eigentlich deutlich steigen müssen – von 6,75 Cent auf rund 9,7 Cent pro Kilowattstunde. Dadurch wäre der Strom tatsächlich um fast zehn Prozent teurer geworden.

Um das zu verhindern, hat die Bundesregierung die Umlage gedeckelt: auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2021 und auf 6,0 Cent 2022. Dafür werden im kommenden Jahr knapp elf Milliarden Euro aus Steuermitteln aufgebracht. Das reicht aber nur gerade, um die Umlage einigermaßen stabil zu halten – und in der Folge die Strompreise wohl auch. Denn die geringe Entlastung bei der EEG-Abgabe wird zum Teil wieder aufgefressen durch leicht steigende Netzentgelte.

Nicht mal jeder zehnte Versorger senkt die Strompreise

Verbraucherschützer verlangen zwar trotzdem, dass die Stromanbieter die Preise wenigstens ein bisschen senken. Doch nach Erhebungen von Vergleichsportalen tut das nur eine Minderheit: Nicht einmal zehn Prozent der regionalen Anbieter planen demnach Senkungen, rund 80 Prozent ändern gar nichts und wiederum knapp zehn Prozent erhöhen die Preise im neuen Jahr sogar.

Was steckt im Strompreis?

Eine Kilowattstunde kostete nach Angaben der Bundesnetzagentur in diesem Jahr 32,05 Cent. Das waren vier Prozent mehr als 2019. Nicht einmal ein Zehntel dieses Verbraucherpreises ist für den Produzenten des Stroms.

Die Börsenstrompreise lagen im Jahresdurchschnitt bei gerade einmal drei Cent pro Kilowattstunde. Steuern, Umlagen und Abgaben machen gut die Hälfte des Endpreises aus, Netzentgelte ein knappes Viertel. Der Rest von etwa vier bis fünf Cent ist für den Vertrieb der Unternehmen und den Gewinn.

Die niedrigen Preise für den “Rohstrom” an der Börse kommen zustande, weil auf der einen Seite im Corona-Jahr die Nachfrage nach Strom gesunken ist, viel Wind und Sonne gleichzeitig zu viel Ökostrom geführt haben. Dazu produzieren ja immer noch Atomkraftwerke und Kohlemeiler weiter. Dieses Überangebot ist zwar vorübergehend, aber es drückt die Preise in den Keller.

Tatsächlich können nur völlig abgeschriebene Altkraftwerke für wenige Cent überhaupt noch produzieren. Neue Investitionen sind damit überhaupt nicht abzudecken. Insofern sind die Preise in dieser Übergangsphase der Energiewende keine wirklich guten Indikatoren. Allerdings waren die Strommärkte nie wirklich “freie” Märkte, sondern immer durch staatliche gesetzten Rahmen beeinflusst. Das gilt aber nicht nur für Deutschland.

Strom ist teuer in Deutschland

Tatsächlich ist aber in Deutschland Strom besonders teuer. In Europa hat die Bundesrepublik gemeinsam mit Dänemark die höchsten Verbraucherpreise. Auch in Relation zu anderen Energieträgern ist Strom teuer und hoch mit Abgaben belastet. Und diese Tendenz hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch verstärkt. Gegenüber 2015 sind Gas und Ölprodukte etwa zehn Prozent günstiger geworden, Strom 10 bis 20 Prozent teurer.

Langfristig soll Strom begünstigt werden

Der Deckel für die EEG-Umlage ist nicht einfach ein netter Zug der Politik gegenüber den Verbrauchern. Dahinter steckt der Klimaschutz. Fossile Energien sollen vom Markt gedrängt werden. Deshalb gibt es schon länger den CO2-Handel der EU. Der trifft die Kohlekraftwerke.

Der Preis, den die Kraftwerksbetreiber für eine Tonne des Klimagases zahlen müssen, ist in diesem Jahr im Mittel auf rund 25 Euro gestiegen. Den gleichen Satz erhebt die Bundesregierung ab dem 1. Januar nun auch auf Öl und Gas für private Haushalte. Das macht Benzin um sieben, Diesel um acht und Erdgas um etwa fünf Cent pro Liter beziehungsweise Kubikmeter teurer.

Das wird dem Bund etwa 7,4 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen bringen. Dieses Geld soll dann unter anderem verwendet werden, um wenigstens den Strom günstiger zu machen. Denn: Irgendeine Form von Energie braucht der Mensch. Und die klimafreundlichste ist derzeit eben Strom aus erneuerbaren Energien.

Bedarf an erneuerbaren Energien steigt

Davon wird Deutschland noch deutlich mehr brauchen, wenn der Verkehr und die Gebäudeheizung auch stärker elektrifiziert werden. Tatsächlich steigt nur der Erneuerbare-Anteil am Strom. Bei den Heizungen und im Verkehr ist er seit zehn Jahren gleich geblieben.

Die Belastung für die fossilen Energieträger (Kohle, Öl und Gas) wird deshalb weiter steigen: bis 2025 auf 55 Euro pro Tonne CO2. Das kann nach Modellrechnungen für eine 4-köpfige Familie in einem älteren Haus mit Ölheizung und vielen Kilometern mit einem Spritschlucker Mehrausgaben von rund 500 Euro im Jahr bedeuten. Andererseits soll das Anreize setzen und Investitionen in Richtung Energiesparen wirtschaftlich attraktiv machen. Und: Dadurch soll mehr Geld eingenommen werden, um den Strom im Gegenzug billiger zu machen.

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