Was das Rekordhoch im DAX wirklich wert ist

Kurz vor dem Jahreswechsel hat der DAX eine neue Bestmarke aufgestellt. Doch was ist das Rekordhoch wirklich wert? Es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Der deutsche Leitindex hat am Montag bei 13.818,65 Punkten ein Allzeithoch markiert. Damit belaufen sich die DAX-Kursgewinne seit dem Corona-Crash-Tief im März (8256 Punkte) auf gut 67 Prozent. Auch der MDAX der mittelgroßen Werte und der Nebenwerteindex SDAX erreichten historische Höchststände.

Gleich drei positive Neuigkeiten werden an der Börse zu Wochenbeginn verarbeitet und in Kursgewinne umgemünzt. Anleger zeigen sich erleichtert, dass US-Präsident Donald Trump das vom Kongress mit überparteilicher Mehrheit beschlossene Corona-Konjunkturpaket mit seiner Unterschrift in Kraft gesetzt hat.

Erleichterung über Last-Minute-Deal

Auch aus London respektive Brüssel kommen positive Nachrichten für die Märkte: Das Post-Brexit-Abkommen steht. Die EU-Staaten haben heute bereits der vorläufigen Anwendung des Deals zugestimmt. Auch die Bundesregierung hat grünes Licht für das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien gegeben.

„Beide Parteien wahren eine enge wirtschaftliche Partnerschaft“, betont Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Entscheidend sei, dass das Abkommen Raum für zukünftige Regierungen lasse, das Handelsverhältnis zu intensivieren.

Impfstart als Hoffnungsbringer

Nicht zuletzt wird auch der am Wochenende erfolgte Impfstart in Deutschland und vielen weiteren Ländern Europas an der Börse positiv aufgenommen. Mit jedem geimpften Menschen steigt die Hoffnung der Anleger, dem Ende der Pandemie ein Stück näher zu kommen. Es ist diese Hoffnung, die derzeit an der Börse gehandelt wird.

Doch damit nicht genug: Die weiterhin schier unglaubliche Geldflut der Notenbanken sorgt an den Märkten zusätzlich für ein positives „Hintergrundrauschen“. Die Bilanzsummen von EZB und Fed sind in der Coronakrise auf historische Höchststände gestiegen.

„Die EZB dürfte im kommenden Jahr einen derart hohen Wert an Staatsanleihen erwerben, dass sämtliche Neuemissionen der Staaten des Eurosystems mehr als abgedeckt werden“, unterstreicht Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Kurs-DAX noch klar unter Rekordhoch

Doch was ist das Rekordhoch im DAX wirklich wert? Um das zu beurteilen, muss man wissen, dass es sich beim DAX um einen so genannten Performance-Index handelt. In seine Berechnung fließen somit die Dividendenzahlungen der Unternehmen mit ein. Diese Reinvestition der Dividenden sorgt für einen eingebauten Zinses-Zins-Effekt. Kritiker sprechen daher auch vom „getunten“ DAX oder „Botox-DAX“.

Tatsächlich ist der Kurs-DAX, also der DAX 30 ohne Dividendenzahlungen, von seinem Allzeithoch noch ein gutes Stück entfernt. Der Kurs-DAX steigt zu Wochenbeginn in der Spitze auf 5978 Punkte – und notiert damit knapp acht Prozent unter seinem Rekordhoch von Anfang 2018 (6444 Zähler).

Dow Jones schlägt DAX

Wichtig ist der Blick auf den DAX-Kursindex vor allem dann, wenn es darum geht, die Performance des DAX mit anderen internationalen Indizes zu vergleichen. Denn alle großen internationalen Indizes wie der japanische Nikkei, der britische FTSE 100, der französische CAC 40 oder auch der US-Leitindex Dow Jones sind reine Kurs-Indizes.

An der Wall Street konnten zuletzt sowohl der Dow Jones als auch der marktbreite S&P 500 und der technologielastige Nasdaq Composite neue Rekordmarken aufstellen. Und auch in der mittleren bis langfristigen Perspektive haben amerikanische Aktien die Nase vorn. So legte der Dow Jones in den vergangenen fünf Jahren über 70 Prozent zu, der DAX-Kursindex nur knapp zwölf Prozent.

Startschuss für Weihnachtsrally?

Am Montag dürfte es an der Wall Street nicht zuletzt dank der Trumpschen Unterschrift unter das Corona-Hilfspaket weiter bergauf gehen. Der Future auf den Dow Jones Industrial Average steigt zur Stunde um 0,6 Prozent.

Das könnte womöglich der Startschuss für eine – dieses Jahr etwas später als gewöhnlich – einsetzende Weihnachtsrally sein. Im statistischen Schnitt ziehen die Kurse an den letzten fünf Handelstagen im alten und den ersten zwei Handelstagen im neuen Jahr deutlich an.

Euro-Stärke mit Vorsicht zu genießen

Der „sichere Hafen“ Gold ist dagegen am Montag nicht gefragt. Im Gegenzug zu den steigenden Aktienmärkten fällt der Goldpreis 0,7 Prozent auf 1875 Dollar.

Der Euro steigt zu Wochenbeginn in der Spitze auf 1,2249 Dollar – und nähert sich damit zeitweise seinem Zwei-Jahres-Hoch bei 1,2272 Dollar wieder an. Die europäische Gemeinschaftswährung profitiert von der steigenden Risikolust der Anleger.

„Ein starker Euro signalisiert normalerweise eine aufstrebende oder stabile Weltwirtschaft“, unterstreicht Marktexperte Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Andererseits könne ein zu starker Euro die deutsche Exportindustrie belasten.

Bitcoin nimmt nächste Marke ins Visier

An den Kryptobörsen geht unterdessen die atemberaubende Bitcoin-Rally weiter. Der Kurs der bekanntesten Kryptowährung steigt zu Wochenbeginn auf über 27.000 Dollar. Am Wochenende hatte Bitcoin bei 28.382 Dollar ein Rekordhoch markiert. Damit hat die Digitalwährung seit Jahresbeginn rund 20.000 Dollar zulegen können. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr war der Kurs noch zeitweise auf unter 4000 Dollar eingebrochen.

Brexit-Deal beflügelt Autobauer

Nach dem Handelsabkommen der EU mit Großbritannien stehen am deutschen Aktienmarkt die Autobauer besonders im Fokus, sie gelten als eindeutige Profiteure des Last-Minute-Brexit-Deals. So hatte etwa BMW im Vorfeld gewarnt, ein Austritt ohne Handelsabkommen würde das Unternehmen pro Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Entsprechend groß ist nun die Erleichterung unter den Anlegern; Aktien von BMW, Daimler und VW gehören im frühen Handel zu den größten Gewinnern im DAX.

Volkswagen erklärte, der Deal zwischen der EU und Großbritannien schaffe Planungssicherheit für den Konzern und seine britische Marke Bentley Motors. Dies sei insbesondere für die britischen Kunden wichtig.

BMW stockt bei Elektro-Autos auf

BMW will seinen Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am Absatz in den kommenden drei Jahren mehr als verdoppeln – „von etwa acht Prozent in diesem Jahr auf rund 20 Prozent in 2023“, sagte Vorstandschef Oliver Zipse der „Augsburger Allgemeinen“. „Wir erhöhen jetzt noch einmal deutlich die Elektro-Schlagzahl.“ In den Jahren 2021 bis 2023 werde BMW zusätzlich eine viertel Million mehr Elektro-Autos bauen als ursprünglich geplant.

Delivery Hero auf Rekordhoch

Die Aussicht auf eine erfolgreiche milliardenschwere Übernahme in Südkorea hievt Delivery Hero auf ein Rekordhoch. Die Aktien des Essenslieferanten steigen in der Spitze um 11,5 Prozent auf 132,10 Euro. Das Unternehmen ist bereit, die Auflagen der südkoreanischen Wettbewerbsbehörde zu akzeptieren und sich von der Tochter Yogiyo zu trennen.

Deutsche-Post-Chef als Kurstreiber

Post-Chef Frank Appel weiß, wie man Kurse bewegt: „Wir sind zuversichtlich, 2020 mit einem Rekordgewinn abzuschließen“, sagte Appel im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Das treibt die Aktie der Deutschen Post in die Höhe. Das DAX-Unternehmen gehört dank des E-Commerce-Booms zu den großen Gewinnern der Corona-Krise. Im laufenden Jahr konnte die Aktie rund 20 Prozent hinzugewinnen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Dezember 2020 um 11:00 Uhr.

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